Schon seit Mitte der 90er Jahre interessiert mich das Thema Kommunikation. Damals habe ich erstmals viel bewusster darauf geachtet, wie sehr die Qualität der Kommunikation mit dem Außen, auch etwas mit der inneren Kommunikation zu tun hat.
Der innere Dialog, so wurde mir allmählich klar, ist mindestens genauso wichtig, wenn nicht noch wichtiger. Wie rede ich also mit mir selbst?

Daher meine Frage an dich: Wie redest du mit Dir selbst? bzw. wie „kommentierst“ du deine Handlungen und besonders deine Fehler? Wie gehst du da mit Dir selbst um?

Eine große Aufmerksamkeit kommt hier vor allem der Qualität innerer Fragestellungen zu. So, wie du im Außen einem Partner, Kind, Kunden oder Mitarbeiter Fragen stellst und damit zum richtigen Produkt oder zu Ressourcen und Lösungen führen kannst, so kann dich eine gute nach innen gerichtete Fragestellung auch auf den Weg zur Lösung führen.

Es geht also um die Macht der Frage und zwar der richtigen Frage. Oft ist es so, dass wir uns selbst eine Frage stellen, die uns aber nicht zur Antwort führt, sondern eine Klage aus einer Opferhaltung heraus darstellt, auf die wir niemals eine Antwort finden oder uns diese Antwort ohnmächtig macht.

Die Frage nach dem „Warum ist mir das passiert?“, ist also nicht gänzlich zielführend. Diese Frage kann man sich dann stellen, wenn man wirklich wissen möchte, welchen eigenen Anteil man an einer unbefriedigenden Situation hat, um etwas daraus zu lernen oder sich eines Musters bewusst zu werden, dass nicht mehr dienlich ist und verändert werden könnte. Mehr ist aus dieser Frage aber nicht rauszuholen. Sie ist vergangenheitsorientiert und sollte daher nur für die innere Klärung beantwortet und ggf. mit einem Friedens- oder Vergebungsprozess abgerundet werden.

Danach ist es allerdings sinnvoll, sich mehr mit der Zukunft und dem „Was will ich statt dessen?“ zu beschäftigen. Denn hier kann ich noch Einfluss nehmen.

Ich bin ein Freund von selbstermächtigenden Fragen. Die Frage z.B. „Warum bin ich so glücklich…so erfolgreich….in einer liebevollen Partnerschaft….etc.?“ lenkt meine Gedanken und damit meine Lebensenergie auf meine Möglichkeiten, überhaupt erst zu sehen, was ich und wie ich es erreichen kann. Frage dich also, was möchtest du in Zukunft fühlen und erleben und gehe in diesen Zustand hinein. Frage dich, wie du es geschafft hast, diesen Zustand zu erreichen.

Die Frage „Warum bin ich unglücklich?“ führt dich bestenfalls dahin , dass du vielleicht noch deine Denkmuster hinterfragst und diese änderst, es dir aber auch schnell passieren kann, in eine Opferhaltung oder Schuldzuweisung zu geraten. Damit bist du aber nicht in deiner Selbstermächtigung und Wirksamkeit.

Zugegebenermaßen gibt es Lebenssituationen, die uns zunächst in die Frage des „warum“ stürzen. Es darf auch sein, zunächst die negativen Emotionen zu fühlen und anzunehmen. Dennoch ist es angebracht danach mehr Zeit damit zu verbringen, die Lebensenergie wieder auf die Zukunft zu richten, die wir durch unser Denken und handeln noch beeinflussen können.

Eine Falle ist auch oft der Gedanke, dass ein anderer etwas tun müsste, damit es dir besser geht. Frage dich stattdessen, was kannst du für dich tun, dass es dir gut geht? oder „ Was glaubst du von dir und anderen, dass sie für dich tun müssen, was du für dich selbst nicht tun möchtest?“

Diese Fragen bringen dich in deine Verantwortung und in deine wahren Kräfte und Möglichkeiten, aber damit auch raus aus der Opferhaltung.

Für dein Gehirn, welches in den Gewohnheitsmustern feststeckt, kann es tatsächlich am Anfang anstrengend sein, diese Fragen ehrlich, wohlwollend und kreativ zu beantworten. Eben weil du unbewusst in der Bequemlichkeit deiner Klage feststeckst, die Dir Aufmerksamkeit oder das Verständnis anderer einbringt.

Damit wirst du aber langfristig nicht glücklich und auch nicht handlungsfähig.

Finde kraftvolle Fragen, die deinen Geist wirklich fordern und in die Lösung hinein bringen. Hier zum Abschluss noch ein paar Beispiele:

Statt: „Warum habe ich schon wieder eine Absage auf die Bewerbung erhalten?

Besser: „Wie kann meine Bewerbung noch erfolgreicher werden und was kann ich dafür tun?“

Statt: „Warum hat sich mein Partner getrennt?“

Alternativ: „ Was ist das Gute an der Situation, dass ich für mich bisher noch nicht sehen will?“ oder „Welche Möglichkeiten erwachsen daraus für mich und meine persönliche Entwicklung in der Zukunft?“

Statt: „Warum werde ich für meine Leistungen nicht geschätzt?“

Besser: „Was wäre, wenn das Problem auf einmal einfach verschwinden würde?“ (Diese Frage ist prinzipiell interessant, weil sie die Problemverliebtheit bewusst macht und auch die Konditionierung der Aufrechterhaltung schlechter Gefühle.)

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