Die Adventszeit ist angebrochen. Was heißt das eigentlich? Das Wort Advent kommt aus dem lateinischen Adventus und bedeutet Ankunft. Die Christen begehen damit die Zeit der Besinnlichkeit in Vorfreude auf die Ankunft des Herrn (adventus Domini). Doch je nachdem, aus welcher Glaubensrichtung wir abstammen und ob wir unseren Glauben aktiv oder nicht aktiv ausüben, wird die Gestaltung der Adventszeit wohl sehr unterschiedlich ausfallen. 

Die einen werden erste Weihnachtsgeschenke kaufen. Kinderaugen leuchten beim Anblick der bunten Lichterketten. Ein Wunschzettel wird geschrieben. 

Damals waren wir noch so leicht damit. Wir haben intelligent die Vorfreude auf die Geschenke mit Bildern versehen. Wir waren Meister der Zukunftsgestaltung. Lass dir das auch jetzt nicht nehmen. Aber damit meine ich nicht den Konsum allein. Auch, wenn du gerade eine schwere Zeit durchmachst, es wird einen Sinn haben und es geht darum, diesen zu erfassen. Dies schafft man manchmal nicht alleine. Coaching und der Zusammenhalt in einer Gruppe Gleichgesinnter ist hier oft eine gute Unterstützung.

Andere bestellen im Internet, weil bequemer und unter Corona Bedingungen auch sicherer als im Geschäft. Wieder andere backen Plätzchen mit den Kindern und für die Liebsten, schmücken die Wohnungen gemütlich mit Adventkranz, Weihnachtsmann und Kerzenschein. 

Unter all diesen Menschen gibt es natürlich auch die Weihnachtsignoranten, denen das alles zu dumm ist sowie die Andersgläubigen, die einfach mitmachen, weil es cool ist. Da interessiert plötzlich keine geburtliche Herkunft, keine Religion mehr. Eine ganze Maschinerie des Konsums wird angeworfen. Das sichert schließlich auch Arbeitsplätze und tut der Wirtschaft gut.

Und natürlich gibt es auch die, die ökologisch einkaufen. Fairtrade und vegan muss es sein. 

Alles ist in unserer Welt vorhanden und macht Sinn, je nachdem aus welcher Perspektive wir es betrachten. Alles hat seinen Platz in unserer komplexen Welt. Die traditionelle, die wirtschaftliche, die ablehnende und viele weitere Betrachtungsweisen. Gibt es hier also ein richtig oder falsch? Ein gut oder schlecht?

Definitiv gibt es die Summe der Perspektiven aus den unterschiedlichen Lebensaltersstufen deiner Entwicklung und der dieser Gesellschaft sowie dein bewusstes Sein damit. Definitiv gibt es auch unterschiedliche Werte und es ist an der Zeit, sich hier zu besinnen, welche Werte uns als Gesellschaft tatsächlich weiter bringen.

Und am Ende, wie du dein Weihnachten feierst, entscheidet sich daraus, was dir in deinem Leben wirklich wichtig ist. Was du jetzt, zu diesem Zeitpunkt durch deine Wertewelt sehen und erleben kannst. Und das kann sich immer wieder ändern. Weil wir uns als Menschen immer weiter entwickeln und nie alle auf ein und derselben Stufe des Bewusstseins stehen. Natürlich erzeugt das Reibung, Konflikt und leider auch Krieg. 

Doch entwickeln wir uns raus aus der Komfortzone nur aus Lust auf Neues und Besseres, meistens aber doch eher durch Leidensdruck. Also drückt auch gerade Corona bei uns allen ganz individuelle Entwicklungsknöpfe.  

Es macht also wenig Sinn sich darüber zu streiten, was richtig oder falsch ist, denn diese Antwort liegt immer im individuellen Kontext. Weiter wären wir zumindest schon mit der Haltung, mehr zu respektieren und zu beobachten, dass es alles gibt und einem evolutionären Prozess unterliegt sowie zukunftsweisenden Werten Platz im eigenen Leben einzuräumen. 

Dazu braucht es aber Bewusstheit und genau an der fehlt es in vielen Bereichen der Gesellschaft. Hier geht es um das so genannte Licht, welches gerade jetzt den Schatten noch deutlicher zu Tage treten lässt. 

Das macht diese Zeit so aufwühlend, teils anstrengend, es ist alles in Bewegung und viele Menschen suchen derzeit nach Orientierung. Ein Teil der Antwort lautet, werde dir deiner Selbst immer mehr bewusst und deiner inneren Autorität. Es geht darum, sich gut selbst durch diese Zeit zu navigieren. Und dieses innere Navigationssystem hat etwas mit deinen Werten zu tun, die du leben möchtest und mit deinem Lebenssinn. Deinen Potentialen und Talenten, Visionen und Herzensprojekten.

Wenn wir mit dem was wir tun mehr und mehr bewusst im Herzen sind und die vorweihnachtlichen Dinge nicht nur tun, weil der Kalender es nun hergibt, kommt vielleicht auch wieder das Gefühl dazu, um was es auch noch gehen könnte.

Das hat dann gar nicht mehr so viel mit dem traditionellen Glauben, sondern mehr mit der Metapher dieser Zeit zu tun. Dem Weihnachts-Sinnlichen, dem Geheimnis und dem darin wohnenden Geschenk. 

Stell dir vor, wenn die „heilige Familie“ mit dem Christuskind ein Bild für den Frieden des inneren Kindes und einem fürsorglichen Erwachsenen männlichen und weiblichen Teil in dir und in deinem Herzen ist, findet langfristig auch Frieden im übertragenen Sinne mit deiner Umwelt statt. Dafür können wir alle etwas tun. Jeder auf seine einzigartige Weise.

Denn gerade diese Advent Zeit ist eine besondere, weil wir unter den Bedingungen der Pandemie anders feiern werden. Uns wird bewusst, dass Geld und Materie eben nicht alles im Leben ist und sich so manch einer auf diese Position bequem zurückgezogen hat. Doch in Wahrheit ist es wohl eher eine gesunde Mischung aus allem. 

Wo bist du persönlich also aus deiner Harmonie gefallen? Wo warst du mehr im außen und in der Bedürfnisbefriedigung über Konsum, als im Inneren, um Dich von dem Schmerz der Vergangenheit abzulenken? Und wo hast du schon gut sortiert und bist mehr im Frieden und kannst jetzt für diese Gesellschaft eine Unterstützung sein? 

Ja, wie in jedem Jahr zu dieser Zeit sind die einen im Konsumrausch des Black Friday Getümmels auf Schnäppchenjagd und andere haben völlig andere Sorgen. Sie bangen um ihre Existenz und das entweder auf körperlicher Ebene oder weil sie unter den eingeschränkten Bedingungen ihrer Existenzsicherung nicht nachkommen können. 

Die Welt steht Kopf auch in dieser Zeit. Wir sind also mit politischen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen und Fragestellungen auf allen Ebenen mehr denn je gefordert. Und das in einem Land, wo es bisher natürlich auch schon Menschen gab, die an der Armutsgrenze und in  Krankheit lebten, aber das soziale Netz nur wenige Löcher zum totalen durchrutschen hergab und die Solidargemeinschaft dafür mit bezahlt hat. Auch dieses feine Netz droht zu reißen.

Im Großen und Ganzen, sind wir doch mal ganz ehrlich, hat ein großer Teil der Gesellschaft, sicher im Sattel eines Jobs sitzend, großzügig über das eine oder andere sozial schwache Schicksal hinweg geschaut. Es sind eben verkrachte Existenzen oder faule Menschen. Teils wertend und doch in Unkenntnis über die ganze Geschichte eines solchen Lebens, haben sich viele auf eine bequeme Haltung zurückgezogen. Aber die Evolution hat uns immer schon mal einen Strich durch die Rechnung gemacht, wenn wir zu nachlässig und zu bequem geworden sind.

Und ein weiteres Mal gibt es das unvorhersehbare in der Weltgeschichte. So sind jetzt auch Menschen betroffen, die bislang einer guten Arbeit pflichtbewusst und arglos nachgingen. Ein gesellschaftlicher Schockzustand, der noch lange Nachwirkung zeigen wird. So kann man sehen, nichts ist von Bestand.

Es ist also allerhöchste Zeit, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Corona hat uns alle unterschiedlich getroffen und jeder muss für sich herausfinden, welche Botschaft Corona für ihn trägt.

Jeder ist also betroffen auf eigene Weise und so ist diese Adventszeit eine andere als in den anderen Jahren.

Daher wünsche ich uns allen eine gesunde Mischung aus Vorfreude, Gemütlichkeit und Erinnerungen aus der Kindheit. Aber auch im Herzen still zu werden und zu lauschen, was die Seele zu sagen hat. Das einsammeln von dem was war, Erkenntnis daraus zu schöpfen was es zu lernen gab. Dankbarkeit und loslassen von dem, was keinen Bestand mehr haben soll, weil eine Lernaufgabe gemeistert wurde. Und eine große Portion Hoffnung, Liebe und Kraft zur Neuausrichtung immer genau da, wo es jetzt notwendig ist, um die Not zu wenden. Ein Wunschzettel einer neuausgerichteten Zukunft.

Das sind dann die wahren Geschenke, die wir uns selbst und auch der Gesellschaft machen können. Einen liebevollen aufmerksamen Blick auf dich selbst und dem Leben als Spiegel deiner Innenwelt ist der Preis. Mehr Macht im eigenen Leben der Gewinn.

Bleibt alle gesund und verbringt eine unter diesen Umständen „trotzdem oder gerade deshalb“ gute Zeit, die von BeSINNung, innerer Wahrheit und Autorität, Demut, Wachheit und Fokussierung auf Lösungen genauso geprägt sein mag, wie von Hygienevorschriften und Achtsamkeit im Umgang miteinander.

Und die, die es gerade wirklich schwer haben, brauchen kraftvolle Vorbilder für die innere wieder Aufrichtung und Kraft und zwar von denen, die gerade die Energie dazu ein Stück weit mit bereitstellen können, damit das eigene Feuer wieder entfacht werden kann. Und von denen, die schonmal aus dem Nichts wieder Mut zum voranschreiten gewonnen haben. Das ist Nächstenliebe, die aus der Liebe zu sich selbst erwachsen ist. Dem ursprünglichen weihnachtlichen Gedanken.

In diesem Sinne Wünsche ich uns allen eine gute Adventszeit und viel Kraft im Herzen.

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